Opera Unite -
Die „Wikinger“ greifen an!
Junge, Junge, was ist zur Zeit denn bei den Wikingern los? Zuerst beschwert sich Opera bei der EU-Kommission,
weil Microsoft seine Betriebssysteme nur in Verbindung mit dem hauseigenen Browser „Internet Explorer“
ausliefern möchte – davon kann man ja noch halten, was man möchte. Als die Redmonder nun aber schließlich
„einlenken“, und sich dazu „bereit erklären“ ihr neues OS in Europa ohne den Internet-Explorer auszuliefern,
setzt Opera noch einen drauf und verlangt nun, dass Windows7 mit vorinstallierten Browsern von der Konkurrenz
ausgeliefert werden soll.
(Quelle)
Welch interessante Idee – lassen wir doch ab sofort die Konkurrenz entscheiden, in welcher Form und
Zusammensetzung Produkte auf den Markt kommen ...
Doch Opera will noch mehr. So unglaublich das auch klingen mag, aber das Projekt Microsoft ist eigentlich
sogar das kleinere Projekt, dessen Opera sich derzeit angenommen hat. Denn den Nordmännern geht es derzeit um
nicht weniger, als das Internet in seinen Grundmauern zu erschüttern, und das komplette Web neu zu erfinden.
Unterstützung erhofft sich Opera dabei von „Unite“, Operas neuem Webbrowser, der über
einen eingebauten Webserver verfügt, und der seit dieser Woche als Beta-Build (teils noch gefühlter Alpha-Build) zum
herunterladen
bereit steht.
Die Idee hinter Operas Vorstoß ist denkbar einfach – wer „Opera Unite“ installiert, hat die Möglichkeit
einen eigenen Server zu betreiben, selbst wenn er mit dem Begriff Server nicht im Geringsten etwas anzufangen
weiß. Damit ist der User nicht mehr von fremden Servern abhängig, und muss beispielsweise auch keine Dateien
mehr langwierig ins Netz hoch laden, um sie anderen zur Verfügung zu stellen. Der Server läuft ja lokal, sprich
auf dem eigenen Rechner.
Ohne nervenaufreibende, umständliche Server-Konfigurationen soll der User also mit nur wenigen Maus-Klicks
Musik-Dateien freigeben können, die dann als Stream im Internet abgerufen werden können. Er soll Bilder und
Dokumente mit seinen Freunden austauschen können, ohne sie vorher im Internet hoch laden zu müssen. Der User
soll seinen eigenen Chat betreiben und kurze Nachrichten über einem virtuellen Kühlschrank austauschen, und
seine Homepage (mit einigen Einschränkungen) direkt vom eigenen Computer aus hosten können. Darüber hinaus soll
es mit Operas neuer Software auch vergleichsweise einfach möglich sein, selbst eigene Anwendungen zu
Programmieren und anderen zur Verfügung zu stellen.
Opera Unite Home
File-Sharing
Media-Player
Foto-Album Übersicht
Foto-Album
Chat (Lounge)
Pinnwand (Fridge)
Alles was dafür zu tun ist: Opera Unite installieren, die jeweiligen Server-Dienste (File-Sharing,
Media-Player, Fridge, usw.) hinzufügen, die Zugriffsrechte für die lokalen Dateien definieren (öffentlich,
eingeschränkt oder privat) und sich bei Opera als Nutzer anmelden. Dies ist notwendig, da Opera den so
genannten
Proxy
zur Verfügung stellt, über den die jeweiligen Unite-Browser dann miteinander kommunizieren.
Die Anmeldung bei Opera ist dabei aber auch nur für diejenigen ein Muss, die selbst Server-Dienste anbieten
wollen. Wer nur mal kurz auf die Daten eines Bekannten zugreifen möchte, braucht dafür nur einen herkömmlichen
Webbrowser, gleich welcher Marke auch immer.
Operas Aussage, das Web damit neu erfunden zu haben, ist damit aber wohl trotzdem eher als
„Marketing-Gewäsch“ zu betrachten, das den Launch des neuen Browsers begleiten sollte. Denn die Nordmänner
versuchen hier etwas als vollkommen neuartig zu verkaufen, was so neu gar nicht mehr ist. Weder die dahinter
stehenden Techniken, noch die Idee, ein Netzwerk unter „Gleichartigen“
(P2P),
abseits vom herkömmlichen
Client-Server-Modell aufzubauen. Schon vor ein paar Jahren gab es mit
AllPeers,
einem Add-on für den
Firefox-Browser, ein vergleichbares Produkt, das allerdings nach verhältnismäßig kurze Zeit wieder
eingestampft wurde, weil die Nutzerzahlen weit unter den Erwartungen der Investoren lagen. Außerdem gibt es
heute ja offensichtlich auch wieder vergleichbare Software, wie den
„POW“
(Plain Old Webserver, ebenfalls ein Add-on für Firefox).
Auf der anderen Seite muss eine Software ja aber auch nicht zwingend auf gänzlich neuen Technologien
basieren, um innovativ zu sein. Es genügt ja schon vollkommen, wenn sie vorhandene Technologien in sinnvoller
Weise miteinander verknüpft und dem User in möglichst einfacher Weise zugänglich macht. Und genau hier scheint
schließlich das innovative Potenzial von Opera Unite zu liegen. Durch seine Einfachheit kann „Unite“ dabei
helfen, die Folgen des so genannten
„Knowledge-Gaps“
zu reduzieren, und auch der „unwissenden Bevölkerung“
Zugang zu Technologien zu gewähren, die ihnen sonst verwehrt blieben. Denn um einen eigenen Server zu
betreiben, bedarf es neben einiger (Fleiß-)Arbeit eben auch einiges an technischem Know-how. Außerdem birgt
ein Webserver immer gewisse Risiken, wenn der Administrator nicht ganz genau weiß, wie er Server, Firewall,
usw. zu konfigurieren hat. Daher tendieren selbst fortgeschrittene User eher dazu Web-Server, beziehungsweise
den entsprechenden Webspace anzumieten, wenngleich dies auch wiederum mit Kosten verbunden sein mag.
Aber in dieser Einfachheit liegt nicht nur das innovative, sondern gleichwohl auch das Gefahren-Potenzial
der Software. Wenn nämlich einerseits jeder
DAU
einen Server aufsetzen, und seine Daten schnell und
unkontrolliert verbreiten kann (die Daten stammen dann ja nicht mehr von zentralen öffentlichen Servern,
sondern von vielen einzelnen, privaten Rechnern, was eine Kontrolle ja noch weitaus schwieriger macht, als sie
heute bereits ist), wird das wohl auch zwangsläufig dazu führen, dass mehr Dinge im Netz kursieren werden, die
die Menschheit nicht braucht. Seien es nun Kipos und ähnliche Geschmacklosigkeiten, oder eben
Malware in den
unterschiedlichsten Formen. Zumindest das sollten dann auch diejenigen beachten, die sehr schnell Morgenluft
gewittert haben und ahnen, wie das File-Sharing von Morgen aussehen könnte.
Andererseits birgt es eben auch Gefahren, wenn User Dienste im Internet zur Verfügung stellen, von
denen sie selbst rein gar keine Ahnung haben. Natürlich wird Opera stets bemüht sein, das Risiko für seine
unwissenden User weitgehend zu minimieren. Doch dies wird selbstredend nur ein kalkuliertes Bemühen sein.
Fazit
Opera rebelliert derzeit nicht nur, sondern hat mit der Usability seiner Software ein auch gutes Konzept
vorgestellt, das sowohl innovatives Potenzial, als auch Gefahren-Potenzial in sich birgt. Dabei war die
Ankündigung das Web am 16. Juni dieses Jahres neu erfinden zu wollen mehr als vollmundig. Trotz vielfacher
Versuche ist es uns bis heute (Stand 20-06-09) nicht gelungen eine Verbindung zum Media-Player, Foto-Album oder File-Sharing-Ordner unter
http://home.theo30.operaunite.com
(Maik) und
http://home.judosan.operaunite.com
(Domi) aufzubauen, um testweise Daten auszutauschen, oder auf die zur Verfügung
gestellten Musik-Titel oder Bilder zuzugreifen. Einzig der Zugriff auf den „Fridge“ und auf die
„Lounge“ des anderen ist uns bisher hin und wieder gelungen. Dazu ist es von Zeit zu Zeit aber notwendig,
in der Fußleiste auf das „Opera Unite Icon“
und „Status zeigen“
zu klicken, und Opera Unite erneut zu starten. Für diejenigen die mal schnell Daten mit dem Kumpel austauschen
wollen ist Opera Unite derzeit also noch nicht zu empfehlen.
Ebenfalls nicht zu empfehlen ist „Unite“ für all diejenigen, die Urheberrechtlich geschützte Werke
austauschen wollen. Denn hier ist zu beachten, dass man sich ja als Nutzer registrieren muss, und dass Opera
seinen Proxy – meines Wissens nach – zentral verwaltet. Interessant könnte es für die „File-Sharer“ eher
werden, wenn andere Softwarehersteller auf den selben Zug aufspringen, ihre Proxys dann aber dezentral und
anonymisiert organisieren.
Dann aber besteht immer noch das Problem, dass man selbst bei einer DSL-6000er Leitung nur eine sehr
beschränkte Upload-Bandbreite zur Verfügung hat, sodass größere Dateien, wie Filme beispielsweise, noch immer
Stunden brauchen, bis sie endlich auf dem Zielrechner komplett angekommen sind. Im Vergleich zum „herkömmlichen
Sharing“ über Torrents beispielsweise, ist diese Art des Datei-Austausch also recht lahm.
Außerdem ist zu beachten, dass die Server für den Datenaustausch ja auch nur solange zur Verfügung stehen,
solange die User ihren Rechner zu Hause laufen lassen. Wird er heruntergefahren, stehen auch keine Daten mehr
zur Verfügung.
Was mir allerdings nach wie vor noch unklar ist, ist die Frage, inwieweit es das derzeitige Netz verkraften
würde, und mit welchen Mehrkosten es verbunden wäre, wenn Softs wie Opera Unite tatsächlich den Browser-Markt
erobern?
ISP
wie Vodafone beispielsweise untersagen nämlich in ihren AGBs schon explizit, über Vodafone DSL „einen Rechner
permanent als Server erreichbar zu machen“.
Nachtrag vom 21-06-09
Inzwischen ist es uns nun mehrfach gelungen, Verbindungen zum Medien-Player und File-Sharing-Ordner des
Anderen aufzubauen, und Daten testweise auszutauschen, beziehungsweise Musik zu streamen. Opera scheint also
inzwischen reagiert, und verschiedene technische Details überarbeitet, oder mehr Ressourcen zur Verfügung
Gestellt zu haben.
Was die Download-Raten anbelangt, ist es so, wie bereits vermutet: Bei einer relativ konstanten Upload, bzw.
Download-Rate von ca. 40 KB/s, dauert es gut vier Stunden, um einen Film mit rund 700 MB herunterzuladen.
Für den Stream von Musik-Dateien würden unsere 6000er-Leitungen aber problemlos ausreichen. ;)
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