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Der Prozessor


Unser Projekt setzte am Herzstück eines jeden Rechners, also am Prozessor an. Aufgrund der speziellen Anforderungen an Stefans künftigen PC (Spielen, Musik, Office, wenige Anwendungen, keine Filmbearbeitung oder ähnliches) haben wir uns dabei gezielt nach Prozessoren mit zwei Kernen (Dual-Core) umgesehen, da deren Leistung im Grunde vollkommen ausreichend ist und man hier im Gegensatz zu Mehrkern-Prozessoren (Multi-Core) einiges an Geld einsparen kann.
Da der Prozessorhersteller AMD im low-price und teils auch im mid-range Segment in Bezug auf das Preis/Leistungs-Verhältnis ganz klar die Nase vorne hat, haben wir uns bei der Auswahl auf AMD-Prozessoren konzentriert.

Das Problem, das wir bei der Wahl des Prozessors zu bewältigen hatten war, dass ein guter Spiele-PC von einer guten Grafikkarte und von einem leistungsstarken Prozessor lebt (beides die teuersten Komponenten), wir aber nur ein sehr begrenztes Budget zur Verfügung haben. Erfahrene User wissen aber, dass es hier einen kleinen „Trick“ gibt, wie man für wenig Geld (und mit etwas Glück) einen teuren Prozessor erstehen kann. Das Stichwort lautet: Übertakten (auch OC oder Overclocking genannt).


Dazu ein kurzer Ausflug in die Welt des OC:

Obwohl einzelne Baureihen eines Mikrochips auf ein und demselben Wafer hergestellt werden, ist jeder Prozessor ist im Grunde einzigartig, bezüglich seiner Wärmeentwicklung und damit auch seiner tatsächlichen Belastbarkeit. Außerdem entwerfen Chiphersteller wie AMD oder Intel wegen immens hoher Kosten bei der Entwicklung und Fertigung nur wenige Versionen eines Microchips, der dann aber alle Preis-Segmente bedienen soll. Daher kommt es regelmäßig vor, dass Prozessoren, die eigentlich eine (teils wesentlich) höhere Taktrate vertragen (bspw. 3.06GHz) mit einem niedrigeren Takt angeboten werden (bspw. 2.67GHz), und seltener auch, dass sich zusätzliche Prozessor-Kerne freischalten lassen, die der Hersteller einfach deaktiviert hat, obwohl sie eigentlich fehlerfrei arbeiten.
Insofern ist es (abhängig vom jeweiligen Prozessor) durchaus im Rahmen des Möglichen, einen 250 Euro Prozessor (bspw. „Intel Core i7-920“) auf das leistungsmäßige Niveau eines 550 Euro Prozessors (bspw. „Intel Core i7-950“) zu übertakten.

Der Takt eines Prozessors errechnet sich dabei aus zwei Faktoren – aus dem so genannten Referenztakt und dem so genannten Multiplikator. Multipliziert man diese beiden Größen, erhält man den jeweiligen Takt des Prozessors.

Ein Beispiel:

Der Intel E8200 (2664 MHz) verfügt werksseitig über einen Referenztakt (FSB) von 333 MHz und den Multi x8
Referenztakt 333 MHz  x  Multiplikator 8  =  2664 MHz Taktfrequenz

Oder der E8500 (3166 MHz) verfügt über den selben Referenztakt 333 MHz, dagegen aber über den Multi x9.5
Referenztakt 333 MHz  x  Multiplikator 9.5  =  3166 MHz Taktfrequenz

Bei den meisten Prozessoren ist der Multi vom Hersteller fest vorgegeben und lässt sich nicht verändern. Übertakten lässt sich die CPU also nur indem man den Referenztakt [was bei den meisten Prozessoren dem „Front Side Bus“ (FSB) entspricht] anhebt (bspw. beim E8200 von 333 MHz auf 400 MHz → 400 MHz x 8 = 3200 MHz, statt 2664 MHz). Eine Ausnahme stellen hier aber die „Extreme Edition“ CPUs von Intel, bzw. die „Black Edition“ Prozessoren von AMD dar, denn bei diesen CPUs lässt sich auch der Multi frei bestimmen.

Das Übertakten von Hardware (CPU, Grafikkarte und Speicher) kommt allerdings nur dann in Frage, wenn man seine Komponenten auch entsprechend kühlt. Als Faustregel gilt dabei: Je mehr Leistung man seinen Komponenten abverlangt, umso mehr Wärme entsteht auch. Insbesondere dann, wenn man soviel Mehrleistung abrufen möchte, dass beispielsweise der CPU nicht mehr die werksseitig eingestellte Spannungsversorgung genügt, und man die so genannte Core-Spannung anheben muss (also die Spannung, die am Prozessor anliegt).
Mit einem original Prozessor-Kühler und wenigen (oder gar keinen) Gehäuse-Lüftern lässt sich also weit weniger (wenn überhaupt) übertakten, als mit einem speziell für das Übertakten ausgerichteten CPU-Kühler und einem ausgeklügelten Kühl-Konzept des kompletten Gehäuses. Noch mehr Leistung lässt sich schließlich aus den Komponenten herausholen, wenn man auf spezielle Kühl-Konzepte wie eine Wasser- oder Stickstoff-Kühlung ;) setzt.
Derartige Lösungen sind allerdings nur etwas für wirkliche Enthusiasten, da sie recht teuer sind und auch einiges am Zeit und Arbeit verlangen. Außerdem sollte man auch immer bedenken, dass sich die Lebenszeit der Komponenten (teils drastisch) verkürzt, je mehr Leistung man seiner Hardware abverlangt, und eine Garantie, wie weit sich die Komponenten tatsächlich übertakten lassen, gibt einem niemand.


Zurück zum Rechner-Projekt:

Aufgrund der Rahmenbedingungen (ein Zogger-PC für wenig Geld) haben wir uns also für den kleinsten 2-Kern-AMD-Prozessor der neuesten Baureihe (Phenom II, Codename „Callisto“) entschieden, der über einen offenen Multi verfügt, damit wir beim Übertakten der CPU etwas mehr Spielraum haben. Die Wahl fiel also auf den

AMD Phenom II X2 550 Black Edition, mit 2x 3.10GHz für rund 85 Euro


AMD Phenom II X2 550 BE Pic

Der AMD Phenom II X2 550 BE

Da wir ja nun für einen ausgewiesenen Spiele-Rechner wirklich ein sehr begrenztes Budget zur Verfügung haben, haben wir uns zunächst dazu entschieden, die Boxed-Version (mit original Kühler, Zubehör und 2 bis 3 Jahren Garantie) des Prozessors zu kaufen, statt der Tray-Version (ohne Kühler und Zubehör, 6 Monate bis 1 Jahr Garantie), für die wir sonst einen separaten Kühler benötigt hätten.
Dementsprechend werden wir uns beim Übertakten der CPU vorerst sehr einschränken müssen, um nicht die neue Hardware direkt zu schrotten. :)



 


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